Welche Schadstoffe gehören ins Kataster?

Asbest, PCB, PAK, KMF und weitere Gebäudeschadstoffe: Welche Stoffe je nach Baujahr und Nutzung erfasst werden sollten.

Welche Schadstoffe gehören in ein Schadstoffkataster?

Inhaltsverzeichnis

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Welche Stoffe in ein Schadstoffkataster aufgenommen werden sollten, hängt von Baualter, Bauweise, Nutzungsgeschichte und Untersuchungsanlass ab. Ein gutes Kataster arbeitet deshalb nicht mit einer starren Standardliste. Es leitet aus der Gebäudehistorie ab, welche Schadstoffe und schadstoffverdächtigen Produkte plausibel zu erwarten sind und welche davon für Nutzung, Instandhaltung, Sanierung oder Rückbau relevant werden können.

1. Warum eine Standard-Schadstoffliste nicht ausreicht

Schadstofferkundung ist historische Detektivarbeit. Ein Verwaltungsbau der 1970er-Jahre besitzt ein anderes Verdachtsprofil als eine Industriehalle mit jahrzehntelanger chemischer Nutzung oder ein Holzfertighaus. Deshalb werden potenzielle Schadstoffe aus Baujahr, Konstruktion, Materialien, Nutzung und früheren Umbauten abgeleitet.

4. Welche Schadstoffgruppen werden typischerweise betrachtet?

Asbest

Asbest kann in zahlreichen bauchemischen und technischen Produkten vorkommen: unter anderem in Faserzement, Bodenbelägen, Klebern, Putzen, Spachtelmassen, Dichtungen, Brandschutzprodukten und technischen Bauteilen. Für Arbeiten an älteren Gebäuden ist die Asbesterkundung deshalb ein zentrales Thema. Die BAuA nennt für die Planung insbesondere Gebäude mit Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 als asbestverdächtig. Mehr Grundlagen finden Sie in unserem Beitrag Asbest – alles, was Sie über Asbest wissen müssen.

PCB

Polychlorierte Biphenyle wurden unter anderem in Fugendichtmassen, Beschichtungen und technischen Anwendungen eingesetzt. Problematisch ist, dass PCB aus Primärquellen in die Innenraumluft übergehen und andere Materialien sekundär kontaminieren können. Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte hat 2025 neue Richtwerte für PCB in der Innenraumluft abgeleitet. Vertiefend: PCB und die aktuellen Erkenntnisse der Wissenschaft.

PAK

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe können beispielsweise in teer- oder pechhaltigen Klebern, Abdichtungen und anderen bituminösen beziehungsweise teerhaltigen Produkten vorkommen. Bei schwarzen Klebern unter Parkett oder anderen Bodenaufbauten ist eine fachliche Einordnung sinnvoll. Mehr dazu im Beitrag PAK im Altbau sicher erkennen und sanieren.

Alte Mineralwolle und KMF

Bei älteren Mineralwolleprodukten können lungengängige Faserstäube arbeitsschutzrechtlich relevant sein. Die im Mai 2026 neu gefasste TRGS 521 konkretisiert Tätigkeiten mit alter Mineralwolle und greift ebenfalls Informationspflichten des Veranlassers auf. Für Produkte, die vor 1996 eingebaut wurden, ist nach TRGS 521 grundsätzlich von einer Einstufung als krebserzeugend Kategorie 1B auszugehen.

Holzschutzmittel, PCP und Lindan

Chemische Holzschutzmittel können insbesondere in Dachstühlen, Holzkonstruktionen und älteren Holzgebäuden eine Rolle spielen. Lindan wurde über Jahrzehnte zur Holzbehandlung eingesetzt; das Umweltbundesamt weist unter anderem auf historische Anwendungen in baulichen Holzkonstruktionen hin. Je nach Nutzung und Expositionssituation können Material-, Staub- oder Raumluftuntersuchungen erforderlich werden.

Weitere mögliche Stoffe

Je nach Bau- und Nutzungsgeschichte können weitere Stoffgruppen relevant sein, etwa Formaldehyd und andere VOC, Schwermetalle in Beschichtungen, teerhaltige Produkte, Chloranisole, nutzungsspezifische Chemikalien oder Radon als standort- und bauwerksbezogenes Innenraumthema. Ein Kataster sollte deshalb aus der Gebäudehistorie entwickelt und nicht aus einer unveränderlichen Standardliste kopiert werden.

5. Schadstoffe aus der Nutzungsgeschichte

Neben bauzeittypischen Produkten können gewerbliche und industrielle Nutzungen zusätzliche Kontaminationen verursacht haben. Dazu gehören beispielsweise Mineralöle, Lösemittel, Schwermetalle, Säuren, Laugen oder produktionsspezifische Chemikalien. In solchen Fällen reicht ein klassischer Baustoffkatalog nicht aus; erforderlich ist eine Nutzungshistorie mit gezielter Hypothesenbildung zu möglichen Eintragspfaden.

6. Gehören Schimmel und Radon in ein Schadstoffkataster?

Das hängt von der Zieldefinition ab. Schimmel ist in erster Linie ein Feuchte- und mikrobiologisches Problem und wird häufig in separaten Untersuchungen dokumentiert. Radon stammt überwiegend aus dem Untergrund und wird über Messungen der Innenraumluft bewertet. Bei einem umfassenden Gebäudegesundheits- oder Risikoregister können solche Themen aufgenommen oder verknüpft werden, sollten aber methodisch klar von klassischen materialgebundenen Gebäudeschadstoffen getrennt bleiben. Mehr zum Thema: Radon im Gebäudebestand.

7. Welche Stoffe sind bei Schulen und öffentlichen Gebäuden besonders relevant?

Bei älteren Schulen können insbesondere Asbest, PCB, PAK, alte Mineralwolle, Holzschutzmittel sowie weitere innenraumrelevante Stoffe eine Rolle spielen. Welche Parameter tatsächlich untersucht werden, muss aus Baugeschichte und Verdachtsflächen abgeleitet werden. Pauschale Komplettpakete ohne Bezug zum Gebäude führen entweder zu unnötigen Analysen oder übersehen relevante Quellen.

Dazu ausführlich: Schadstoffkataster für Schulen und Kitas und Innenraumluftmessungen in Schulen, Kitas und Verwaltungsgebäuden.

8. Materialschadstoff und Innenraumluft sind nicht dasselbe

Ein Materialbefund beantwortet die Frage, ob ein untersuchtes Material einen bestimmten Schadstoff enthält. Eine Raumluftmessung beantwortet dagegen Fragen zur aktuellen Exposition über die Luft. Beide Untersuchungen können sich ergänzen, dürfen aber nicht miteinander verwechselt werden. Bei PCB, Formaldehyd oder VOC kann die Innenraumluft für die Nutzungsbewertung zentral sein; bei Asbest steht vor Eingriffen häufig zunächst die Identifikation asbesthaltiger Materialien im Vordergrund.

9. Fazit

Ein professionell aufgebautes Schadstoffkataster schafft Transparenz über bekannte und vermutete Schadstoffvorkommen und macht dieses Wissen für Betrieb, Instandhaltung und zukünftige Bauprojekte nutzbar. Sein Wert hängt jedoch unmittelbar von Untersuchungsziel, Erkundungsqualität, Dokumentation der Aussagegrenzen und regelmäßiger Fortschreibung ab.

Wer ein Kataster ausschließlich als einmalige Tabelle versteht, verschenkt einen großen Teil seines Nutzens. Richtig in das Gebäudemanagement eingebunden, kann es dazu beitragen, Eingriffe besser vorzubereiten, Beschäftigte und Nutzer zu schützen, unerwartete Baustopps zu reduzieren und Sanierungs- sowie Rückbauprojekte belastbarer zu kalkulieren.

Quellen und fachliche Grundlagen

Für die fachliche Einordnung sind insbesondere die Gefahrstoffverordnung, die Technischen Regeln für Gefahrstoffe sowie die einschlägigen VDI-Regelwerke zu berücksichtigen. Für Asbest beschreibt die Leitlinie von BAuA, BBSR und Umweltbundesamt zur Asbesterkundung eine schrittweise anlassbezogene Erkundung. Die VDI 6202 Blatt 3 behandelt die Erkundung und Bewertung von Asbest bei Betrieb, Baumaßnahmen, Abbruch und Wertermittlung. Für die gesundheitliche Bewertung von Innenraumluftverunreinigungen sind außerdem die Veröffentlichungen des Ausschusses für Innenraumrichtwerte beim Umweltbundesamt von Bedeutung.

Bei konkreten Projekten ist stets zu prüfen, welche Rechtsvorschriften, technischen Regeln, landesrechtlichen Vorgaben und projektspezifischen Anforderungen in der jeweils aktuellen Fassung anzuwenden sind. Ein Schadstoffkataster ersetzt deshalb weder die Gefährdungsbeurteilung des ausführenden Unternehmens noch eine gegebenenfalls erforderliche anlassbezogene Detailerkundung vor einem konkreten Eingriff.

Weitere Beiträge aus unserem Themencluster Schadstoffkataster

Was ist ein Schadstoffkataster? Definition, Inhalt und Nutzen · Schadstoffkataster für Schulen und Kitas · Schadstoffkataster für Industrie- und Gewerbegebäude · Schadstoffkataster als Grundlage für Sanierungs- und Rückbauprojekte

FAQ – häufig gestellte Fragen zum Schadstoffkataster

Gehört Asbest immer in das Untersuchungsprogramm?

Bei Gebäuden und Bauteilen aus relevanten Bauperioden ist Asbest ein zentrales Thema. Ob und wo beprobt wird, richtet sich jedoch nach Baugeschichte, Materialverdacht und Untersuchungsziel.

Muss jedes Gebäude auf PCB untersucht werden?

Nein. PCB-Untersuchungen sollten aus Baualter, Bauart und verdächtigen Produkten wie bestimmten Fugendichtmassen oder Beschichtungen abgeleitet werden. Pauschale Analysen ohne Verdacht sind nicht automatisch sinnvoll.

Wann ist PAK relevant?

Typische Verdachtsmomente sind unter anderem teer- oder pechhaltige Kleber und Abdichtungen. Schwarze Parkettkleber sind ein bekanntes Beispiel, müssen aber analytisch bewertet werden.

Was ist mit alter Mineralwolle?

Alte Mineralwolle kann bei Bearbeitung relevante Faserstäube freisetzen. Baujahr, Produktalter und Einbausituation sind deshalb für Instandhaltung und Rückbau wichtig.

Gehören Holzschutzmittel ins Kataster?

Bei entsprechend behandelten Holzkonstruktionen oder verdächtiger Nutzungsgeschichte ja. PCP, Lindan und weitere Wirkstoffe können insbesondere bei älteren Holzbauteilen relevant sein.

Soll Formaldehyd aufgenommen werden?

Wenn Bauweise, Holzwerkstoffe, Beschwerden oder Nutzung eine entsprechende Fragestellung begründen. Formaldehyd wird häufig über Innenraumluftmessungen bewertet und sollte methodisch entsprechend dokumentiert werden.

Sind VOC ein einzelner Schadstoff?

Nein. VOC bezeichnet eine große Gruppe flüchtiger organischer Verbindungen. Eine Untersuchung sollte nicht nur einen unspezifischen Sammelparameter betrachten, sondern die Fragestellung und möglichen Quellen berücksichtigen.

Gehört Radon dazu?

Radon ist kein klassischer Baustoffschadstoff, kann aber für das Gebäudemanagement relevant sein. Es wird über Langzeit- beziehungsweise geeignete Raumluftmessungen bewertet und kann in einem umfassenden Risikoregister verknüpft werden.

Was ist mit Schwermetallen?

Schwermetalle können in historischen Beschichtungen, Farben oder nutzungsbedingten Kontaminationen vorkommen. Besonders bei Industrie- und Gewerbeobjekten kann ihre Untersuchung relevant sein.

Wer legt die Parameter fest?

Die Parameter sollten aus Bau- und Nutzungsgeschichte, Sichtbefund und Untersuchungsziel abgeleitet werden. Eine sachverständige Vorbewertung ist deshalb meist sinnvoller als ein starres Laborpaket.